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Discounter und globale soziale Rechenschaftspflicht – Das Beispiel Aldi

 

[23.01.2008 | Ideen für Aktionen | Leitfaden]

ALL DIE TEXTIL-SCHNÄPPCHEN – NUR UM DEN PREIS VON HUNGERLÖHNEN!

Ein Leitfaden für Aktionen
von VerbraucherInnen und GewerkschafterInnen zum Thema

Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-WestfalenDie Herstellung der Aktionsmaterialien
wurde gefördert durch die
Stiftung Umwelt und Entwicklung
Nordrhein-Westfalen.

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1. HINTERGRUND

Einkauf bei AldiDiscountunternehmen sind in den letzten Jahren auf die Spitzenplätze des Textileinzelhandels in Deutschland vorgerückt. Mittlerweile kauft hierzulande jede/r zweite KundIn Textilien und Bekleidung (T&B) bei Discountern. Da aber immer mehr Discounter nach vorne rücken, der Textilkonsum in Deutschland jedoch gleichzeitig abnimmt, hat sich der Wettbewerb drastisch verschärft. Daran ändert auch der seit 2006 leicht gestiegene Umsatz im Handel dieser Branche nichts. Das jüngste Beispiel für die Auswirkungen dieses Wettbewerbs sind krasse Arbeitsrechtsverletzungen bei Aldi-Zulieferern in China und Indonesien, wie sie in der SÜDWIND-Publikation »All die Textilschnäppchen« vom Mai 2007 beschrieben werden.

Mit öffentlichen Kampagnen haben globale Netzwerke wie die Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign = CCC) in Europa und die Anti-Sweatshop-Bewegung in den USA seit Beginn der 1990er Jahre gegen die unsoziale globale Beschaffungspolitik von Marken- und Textileinzelhandelsunternehmen protestiert und in Einzelfällen erste Fortschritte für die Beschäftigten in den Zulieferbetrieben erzielt.

Discounter sind erst in den letzten Jahren ins Blickfeld von Gewerkschaften und Basisgruppen geraten. Die Tchibo- und die Lidl-Kampagne von CCC, Ver.di und ATTAC haben das öffentliche Bewusstsein über die Verantwortung von Discountunternehmen für die Verschärfung des Wettbewerbs zu Lasten der Beschäftigten geweckt.

Es ist Zeit, dass nun auch das größte Discountunternehmen Deutschlands und Europas, die Aldi-Gruppe (Aldi Nord und Aldi Süd), unter die Lupe genommen wird. Die internationale CCC bereitet für die Zeit ab 2008 eine größere Kampagne zu Discountunternehmen vor, in die die Aktionen zu Aldi in Deutschland eingebettet werden sollen. Da ca. 85% der VerbraucherInnen in Deutschland in Aldi-Filialen einkaufen – unter ihnen als größte Einzelgruppe die Besserverdienenden – kann hier ein erhebliches Druckpotential aufgebaut werden.

Einerseits soll das Unternehmen durch die Macht von VerbraucherInnen und GewerkschafterInnen unter Druck gesetzt werden, damit es eine Sozialverantwortung (Corporate Social Responsibility = CSR)  bei weltweiten Zulieferern übernimmt und sich unabhängig überprüfen lässt. Andererseits sollen gesetzliche Initiativen an politische EntscheidungsträgerInnen herangetragen werden, durch die Unternehmen wie Aldi an eine globale soziale Rechenschaftspflicht gebunden werden sollen.

Im Folgenden werden zu diesen beiden Aktionsfeldern Vorschläge für VerbraucherInnen und GewerkschafterInnen gemacht.

Müde chinesische Näherinnen
Die Klammern halten die Augen bei übermüdeten chinesischen Näherinnen offen.

 

2. HANDLUNGSVORSCHLÄGE

2.1 Allgemeine Informations-Veranstaltungen und Pressearbeit

2.2 Handlungsmöglichkeiten an die Adresse von Aldi Nord und Süd

2.3 Handlungsmöglichkeiten an die Adresse politischer Entscheidungs-
      trägerInnen

VerbraucherInnen und GewerkschafterInnen können neben dem direkten Druck auf Aldi eine „Globale Soziale Rechenschaftspflicht von Unternehmen“ einfordern, die im Gesetzeswerk Deutschlands verankert werden soll. Als einen wichtigen Meilenstein hierfür schlägt die CCC vor, dass das 2007 verabschiedete Verbraucherinformationsgesetz nachgebessert wird. Diese Forderung soll in Form von Postkarten an die Regierung und das Parlament gehen.

Konkret sollen das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Minister Horst Seehofer, CDU/CSU)  und der gleichnamige Bundestagsausschuss (Vorsitzende Ulrike Höfken, Bündnis 90/Die Grünen) aufgefordert werden, sich für eine gesetzliche Verpflichtung von Regierung und Unternehmen einzusetzen, nach der VerbraucherInnen umfassende, unabhängig überprüfte Informationen über die Einhaltung grundlegender Menschen- und Arbeitsrechte in Niederlassungen und bei Zulieferern von Unternehmen im In- und Ausland zur Verfügung gestellt werden müssen.

In diesem Kontext ist es von Bedeutung, dass sich das EU-Parlament seit 1999 und die Bundestags-Enquete-Kommission „Globalisierung der Weltwirtschaft“ (2002) für eine Stärkung der Produktverantwortung und Offenlegungspflichten für Unternehmen eingesetzt haben.

 

2.4 Teilnahme am Aktionstreffen der CCC vom 29.2. bis 1.3.2008 in Hattingen

VertreterInnen von Aktionsgruppen und Gewerkschaften sind herzlich eingeladen, am nächsten Aktionstreffen der CCC vom 29. Februar bis 1. März 2008 in Hattingen teilzunehmen, um weitergehende Aktionen zu Discountern zu planen.

 

3. LESEHINWEISE – KONTAKTADRESSEN – BESTELLABSCHNITT

Burckhardt 2006, Gisela: Tchibo – Jede Woche eine neue Welt? Dokumentation der Tchibo-Kampagne, hg. Terre des Femmes, Tübingen.

Busse 2006, Tanja: Die Einkaufsrevolution. Konsumenten entdecken ihre Macht, München.

CIR/CCC/Gerechtigkeit jetzt 2004: Wir sind keine Maschinen. Globalisierte Bekleidungsproduktion am Beispiel Mittelamerikas, hg. Christliche Initiative Romero, Münster.

Hamann 2006, Andreas / et al.: Schwarz-Buch Lidl Europa. Billig auf Kosten der Beschäftigten, hg. Ver.di, Berlin.

INKOTA-netzwerk/ CCC 2006: Quick fix – Die Suche nach der schnellen Lösung. Was bringen Sozial-Audits den Näherinnen der Sweatshops?

Wick 2005, Ingeborg: Werbegag oder Hebel für Beschäftigte? Ein Leitfaden für internationale Kodizes der Arbeitspraxis, hg. Friedrich Ebert Stiftung / SÜDWIND Institut für Ökonomie und Ökumene, Siegburg.

Dies. 2007, Ingeborg: All die Textil-Schnäppchen – nur recht und billig? Arbeitsbedingungen bei Aldi-Zulieferern in China und Indonesien. Aktionsvorschläge für VerbraucherInnen und GewerkschafterInnen, hg. SÜDWIND Institut für Ökonomie und Ökumene, Siegburg.

 

4. KONTAKT:

Kampagne für Saubere Kleidung
Koordinationsbüro
c/o Vereinte Evangelische Mission
Rudolfstr. 131
D 42219 Wuppertal
Tel.: 0202-89 00 4-316
Fax: 0202-89 00 4-79
e-mail: ccc-d@vemission.org
Homepage: www.saubere-kleidung.de

 

5. Trägerorganisationen der Kampagne für Saubere Kleidung

Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej)
Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ)
Christliche Initiative Romero (CIR)  
DGB Bildungswerk  
EIRENE Lateinamerikareferat  
Evangelische Frauenarbeit in Deutschland  
Evangelische Studentlnnengemeinde Deutschlands (ESG)
IG-Metall  
INKOTA-netzwerk  
Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB)
Katholischer Deutscher Frauenbund (KDFB)
Katholische Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB)  
Nordelbisches Frauenwerk
Ökumenisches Netzwerk Rhein-Mosel-Saar  
SÜDWIND-Institut für Ökonomie und Ökumene
Terre des Femmes (TDF)
TIE Internationales Bildungswerk
Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di  
Vereinte Evangelische Mission Wuppertal (VEM)

 

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