Eilaktionen-Archiv (abgeschlossene Fälle):
R.L. DENIM Ltd./Bangladesch
UPDATE vom 24.06.2009: Metro Group: R.L. DENIM Ltd./Bangladesch
[24.06.2009 | Eilaktion | Update]
Öffentlicher Druck weckt Metro auf
Metro Group stimmt Rückkehr in Fabrik RL Denim in Bangladesch zu – Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) und Ver.di: „Forderungen erfüllt“ – Erfolg der Zivilgesellschaft.
Bei einem Treffen zwischen der CCC und Verdi mit Vertretern der Metro Group am gestrigen Donnerstag verkündete der Metro-Vorstand Frans Muller, Metro werde wieder Aufträge in der Fabrik R.L. Denim in Chittagong, Bangladesch platzieren. Metro hatte die Lieferbeziehungen „eliminiert“ (Vorstandsvorsitzender Cordes bei der Aktionärsversammlung am 13. Mai 2009), nachdem gravierende Arbeitsrechtsverletzungen bekannt geworden waren. Ein internationales Bündnis, darunter die CCC, Verdi und die Supermarktinitiative in Deutschland, Bundstagsabgeordnete, NLC und die Steelworkers-Gewerkschaft in USA, Unite – the Union in GB, Gewerkschaften und NRO aus Bangladesch und viele andere hatten in Briefen an Metro erklärt, dass der Rückzug des Konzerns aus der Fabrik nicht akzeptabel sei. Vielmehr müsse sich Metro seiner Verantwortung stellen und für die Arbeitsrechte in der Fabrik sorgen, die seit 2003 für Metro fertigte.
Eine Studie des NLC von Anfang Mai hatte aufgedeckt, dass die ArbeiterInnen geschlagen und die Löhne nicht ausgezahlt wurden; sie mussten sieben Tage und bis zu 97 Stunden pro Woche arbeiten. Eine Frau war wegen Erschöpfung gestorben, eine Krankschreibung war ihr vom Fabrikmanagement verwehrt worden. Daraufhin brach sie am Arbeitsplatz zusammen.
Metro stellte einen Zusammenhang zwischen dem Tod der Arbeiterin und den Arbeitsbedingungen in der Fabrik in Abrede, für CCC und Ver.di, basierend auf den NLC-Recherchen – ist dieser jedoch naheliegend.
Muller räumte ein, bei Metro habe es große Versäumnisse gegeben. Der Fall R. L. Denim habe für Metro wie ein „Weckruf“ fungiert. Zukünftig werde für die Kontrolle der Arbeitsrechte das Vier-Augenprinzip gelten, so dass nicht mehr nur der Einkauf die Umsetzung beaufsichtige, sonder auch der Comlpiance-Bereich des Konzerns. Metro werde ab sofort wieder Aufträge in R. L. Denim platzieren, das Auftragsvolumen entspreche dem früheren. Zusammen mit dem Fabrikbetreiber werde sich Metro um noch ausstehende Zahlungen, nicht erteilten Mutterschutz und andere Probleme kümmern. Zukünftig solle dort gesetzeskonform gearbeitet werden. Sollten dafür die Kosten für den Einkauf der Produkte steigen, sei Metro bereit, diese zu tragen.
Verdi und CCC zeigten sich zufrieden mit den von Metro in Aussicht gestellten Schritten. Im Fabrikalltag muss sich nun zeigen, wie weit es zu Verbesserungen für die ArbeiterInnen kommt.
Keine Übereinstimmung konnte beim Kontrollmodell gefunden werden: Metro hält an Kontrollen durch die BSCI fest. Die CCC kritisiert BSCI, weil es keine Multistakeholder-Inititative ist, an der NRO und Gewerkschaften gleichberechtigt beteiligt sind. Auch setzt BSCI fast ausschließlich auf Fabrikkontrollen, lässt aber die Einkaufspraxis der Auftraggeber wie Metro außer Acht.
CCC und Verdi werten die Rückkehr von Metro nach R. L. Denim und die Bemühungen, sich nun für die Umsetzung der Arbeitsrechte dort zu kümmern, als wichtigen Erfolg der Zivilgesellschaft. Damit wurde verhindert, dass die ArbeiterInnen von R. L. Denim – nach den Jahren der Arbeitsrechtsverletzungen – nun ein zweites Mal mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes bestraft wurden.
CCC / Ver.di 19.6.2009
Metro Group: R.L. DENIM Ltd./Bangladesch
[22.05.2009 | Eilaktion | Hintergrundinformationen]
Massive Arbeitsrechtsverletzungen bei Metro-Zulieferer
Näherin zu Tode gearbeitet – Schwangere entlassen – Über 90 Arbeitsstunden pro Woche – Löhne veruntreut – ArbeiterInnen unterstützen!
Die Metro AG feiert am 13. Mai bei der Aktionärsversammlung ihre massiven Gewinne des Jahres 2008 in Höhe von 403 Millionen Euro. NäherInnen, die für die Metro AG in Bangladesch fertigten, zahlen mit ihrer Gesundheit und sogar ihrem Leben den hohen Preis dafür. Dies ergaben Recherchen des National Labor Committees, mit dem die CIR seit vielen Jahren eng zusammen arbeitet.
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Exzessive Überstunden
Die ArbeiterInnen in der Fabrik R.L. Denim Ltd. in Chittagon, Bangladesch, sind gezwungen Schichten von 13 bis 15 Stunden am Tag zu leisten und dies an 7 Tagen in der Woche. In der neunmonatigen Hauptsaison von Mai bis Januar gehen die Schichten von 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Es gibt eine 30minütige Pause um 13 Uhr sowie eine 10minütige Pause um 19 Uhr. Zwei Wochen bevor die Auslieferung an die Metro AG ansteht, müssen die NäherInnen 20 Stunden arbeiten und zwar von 8 Uhr morgens bis 4 Uhr früh am nächsten Tag. Wenn die ArbeiterInnen gezwungen werden die ganze Nacht zu arbeiten, haben sie lediglich eine zusätzliche Pause von 15 Minuten um 22 Uhr. NäherInnen müssen bis zu 97 Stunden in der Woche arbeiten: Dies überschreitet die von der Regierung Bangladeschs festgelegte maximale Überstundenzahl um 425 Prozent.
Das Arbeitssoll in der Fabrik ist extrem hoch: Die NäherInnen müssen in einer Stunde an 60 Jeans jeweils bis zu sechs Gürtelschlaufen nähen. Das bedeutet die ArbeiterInnen haben knapp 12 Sekunden Zeit, um eine Schlaufe anzunähen. Falls die NäherInnen das Soll nicht erfüllen, müssen sie noch länger in der Fabrik arbeiten – ohne dass die Überstunden bezahlt werden.
Achtzehnjährige zu Tode gearbeitet
Im Zulieferbetrieb R.L. Denim in Bangladesch starb die 18 Jahre alte Fatema Akter in Folge des Akkordmarathons. Anfang Dezember 2008 wollte sich Fatema krank melden, der Aufseher schlug ihr stattdessen ins Gesicht und schickte sie an ihren Arbeitsplatz zurück. Einige Tage später fühlte sich Fatema erneut sehr schlecht, so dass ihr sogar der Aufseher gestattete, sich auf ein Stück Karton auf dem Boden zu legen. Das Management unternahm nichst, um der inzwischen Ohnmächtigen zu helfen. Erst als die ArbeiterInnen forderten, dass Fatema in ein Krankenhaus gebracht werde, rief das Management eine kleine Motorrad-Rikscha, die sie in ein Hospital schaffte. Am selben Tag, um 17 Uhr, stellten die Ärzte des Krankenhauses Fatemas Tod fest. Fatema arbeitete in der Linie D in der Fabrik R.L. Denim für die Metro AG. Ihre Identitätsnummer war 532.
Ein anderer Arbeiter, 17 Jahre alt, hatte so hohes Fieber und starke Schmerzen in den Beinen, dass er darum bat, nach Hause gehen zu dürfen.Dies wurde ihm nicht erlaubt. Am Nachmittag fühlte er sich so schwach, dass er sich auf den Boden legen musste. Er verlor das Bewusstsein. Über 12 ArbeiterInnen bestätigten, dass der Manager, Herr Tapash, auf den Ohnmächtigen zulief und ihn brutal trat. Der ohnmächtige junge Mann bewegte sich jedoch nicht. Nach einiger Zeit brachte die Fabrikleitung den Ohnmächtigen ins städtische Krankenhaus.
Schwangere entlassen
Schwangere Arbeiterinnen wurden, teilweise kurz vor der Geburt ihres Kindes, von der Fabrikleitung entlassen, um den 16-wöchigen Mutterschutz, den das Arbeitsrecht Bangladeschs vorschreibt, nicht bezahlen zu müssen.
Die ArbeiterInnen verdienen extrem niedrige Löhne. Eine Hilfskraft verdient in einer 48-Stunden-Woche 24 Dollar, eine NäherIn zwischen 30 und 36 Dollar. Mit Überstunden kommen die ArbeiterInnen auf 50 bis 73 US-Dollar im Monat.
Aber damit nicht genug: Die ArbeiterInnen berichten, dass sie systematisch um einen Teil ihres Lohns betrogen werden: Etwa 30 Prozent des Lohns werden nicht ausgezahlt.
Diese Arbeitsrechtsverletzungen sind nicht hinnehmbar!
Musterbrief an den Metro-Chef Dr. Eckhard Cordes
Sehr geehrter Herr Dr. Cordes,
ich bin tief besorgt über die Berichte von Arbeitsrechtsverletzungen in Ihrer Zulieferfabrik R.L. Denim Ltd. in Chittagon, Bangladesch. Wie ich über die Christliche Initiative Romero e. V. erfahren habe, hat sich mindestens eine Näherin bei R.L. Denim Ltd. zu Tode gearbeitet. Eine Krankschreibung war ihr verwehrt worden. Ein junger Mann, der am Arbeitsplatz ohnmächtig wurde, ist brutal vom Manager getreten worden. Arbeiterinnen wurden entlassen, weil sie schwanger waren und die Fabrikleitung den Mutterschutz nicht bezahlen wollte. Die Arbeitszeiten in R.L. Denim Ltd. belaufen sich auf bis zu 97 Stunden pro Woche, was einen klaren Verstoß gegen die Landesgesetze darstellt. Löhne werden systematisch veruntreut.
All dies verletzt die Konventionen der ILO / Internationalen Arbeitsorganisation, die Landesgesetze und auch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Ebenso bricht es den Verhaltenskodex, den die Metro AG vorgibt zu befolgen (BSCI-Kodex).
Ich fordere Sie auf, umgehend aktiv zu werden und diese massiven Arbeitsrechtsverletzungen in R.L. Denim Ltd. abzustellen. Ich erwarte von Ihnen, dass Sie die Probleme gemeinsam mit der Fabrikführung von R.L. Denim Ltd. UND den dort Beschäftigten beseitigen und dafür Sorge tragen, dass diese zukünftig nicht wieder vorkommen.
Hierfür ist unerlässlich, dass die Metro AG weiterhin in R.L. Denim Ltd. fertigen lässt; dafür Sorge trägt, dass die ArbeiterInnen wesentlich höhere Löhne erhalten, die den Grundbedarf einer Arbeiterin und der von ihr Abhängigen decken, ggf. höhere Abnahmepreise zahlt, die diese Lohnzahlungen ermöglichen; die veruntreuten Lohnanteile an die ArbeiterInnen nachzahlt; dafür Sorge trägt, dass entgangene Sozialleistungen erstattet werden; ArbeiterInnen, die gesundheitliche Schäden davon getragen haben, eine Abfindung auszahlt und für diese alternative Arbeitsplätze bereit stellt; den Hinterbliebenen der verstorbenen Fatema Akter eine Entschädigung zahlt; diesen kompletten Prozess unabhängig kontrollieren läßt.
Die Mittel der BSCI sind hierfür ungenügend, wie der vorliegende Fall unterstreicht. In diesen Prozess müssen die ArbeitnehmerInnen und deren Vertretungen und wichtige lokale Akteure einbezogen werden.
Bitte informieren Sie mich und die Christliche Initiative Romero über Ihre weiteren Schritte.
Mit freundlichen Grüße
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Weitere Informationen
» Informationen zum Tod der Näherin Fatema
» Rede von Maik Pflaum bei der Metro-Aktionärsversammlung
» Rede von Sandra Dusch Silva bei der Metro-Aktionärsversammlung