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Eilaktion:
H&M: Garib&Garib/Bangladesch

 

!!! AKTUELL !!! H&M: Garib&Garib/Bangladesch

[11.03.2010 | Eilaktion]

21 Tote nach Fabrikbrand in Bangladesch

Garib-FactoryAls die Fabrik Garib&Garib in Bangladesch am letzten Donnerstag, 25. Februar 2010, zum zweiten Mal innerhalb von sechs Monaten in Flammen aufging, starben 21 ArbeiterInnen und 50 weitere wurden schwer verletzt. Das schwedische Modeunternehmen H&M hatte Strickware in der Fabrik in Gazipur produzieren lassen. Die Kampagne für Saubere Kleidung und die Gewerkschaften aus Bangladesch fordern sofortiges Handeln von H&M und der Regierung von Bangladesch.

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Ein elektrischer Kurzschloss löste den Brand im ersten Stock aus, der sich rasend schnell auf das sieben-stöckige Gebäude ausbreitete, da hochentzündliche Materialien falsch gelagert wurden. Weil Notausgänge blockiert waren, schloss das Feuer die Arbeiter in den oberen Stockwerken ein. Nach Angaben von Helfern waren Feuerlöscher kaputt oder fehlten komplett.

Am 7. März erhielten die Familien der verstorbenen ArbeiterInnen etwa 2000 Euro Entschädigung. Bis jetzt gibt es keine Informationen, welche Kompensationsmaßnahmen diesen ersten Schritten folgen sollen. Da diese Summe nicht ausreicht, muss eine langfristige Lösung mit regelmäßigen Zahlungen für die verletzten Arbeiter und die Familien der Verstorbenen gefunden werden.

Wir sind sehr bestürzt, dass erneut ArbeiterInnen den Preis dafür zahlen mussten, dass Markenfirmen und die bangladeschische Regierung versagt haben, angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um solche Unfälle zu verhindern. Es besteht einer Kultur der Straflosigkeit, die solche Vorfälle einfach nur als tragische Unfälle abschreibt und Verantwortliche nicht zur Rechenschaft zieht.

Die Clean Clothes Campaign hat europäische und US-amerikanische Textilkonzerne kontaktiert, die Produkte von Garib&Garib Sweater Ltd bezogen haben. Die ArbeiterInnen fordern eine strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen und langfristige Entschädigungen für alle Opfer.

Unterstützen Sie diese Forderungen und schreiben Sie H&M, Garib&Garib, der Regierung von Bangladesch und der bangladeschischen Arbeitgeberorganisation BGMEA.

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Garib-MachineH&M bestreitet, dass es Sicherheitsmängel bei Garib&Garib gegeben hat. Nach ihren Aussagen zufolge ergab ihr Unternehmensaudit vom Oktober 2009, dass deutlich markierte Notausgänge und funktionierende Feuerlöscher vorhanden waren. Die bloße Existenz von Notausgängen hilft allerdings nicht weiter, wenn diese blockiert sind. Das gleiche gilt für kaputte Feuerlöscher, von denen niemand weiß, wie sie zu bedienen sind.

Mit Blick auf die mitunter tödlichen Folgen ist es nicht länger vertretbar, dass Untersuchungen, die Sicherheitsmängel konstatieren, unter Verschluss gehalten werden. Die Industrie muss transparent werden und sich zur Rechenschaft gegenüber den ArbeiterInnen, der Regierung und der Öffentlichkeit verpflichten.

Der Garib&Garib-Fall beweist wieder einmal, dass Fabrikaudits ihr Ziel verfehlen, ernsthafte Verletzungen internationaler Arbeitsrechte und unternehmerischer Verhaltenskodizes aufzuzeigen und dass die Gewerbeaufsicht und Regierungskontrollen erschreckend unzulänglich sind. Gleichzeitig bedeutet die andauernde Diskriminierung von Gewerkschaften innerhalb der Unternehmen, dass ArbeiterInnen nicht in der Lage sind, Verletzungen der Gesundheits- und Sicherheitsbestimmungen öffentlich zu machen. Wenn die Industrie ernsthaft zukünftige tödliche Tragödien verhindern will, muss sie ArbeiterInnen direkt in die Überprüfung der Gesundheits- und Sicherheitsstandards involvieren. Dazu muss jedoch das Recht auf Vereinigungsfreiheit respektiert und unterstützt werden.

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Wir fordern H&M, Garib&Garib, die Regierung von Bangladesch und die Arbeitgeberorganisation BGMEA auf:

  1. die unmittelbare Zahlung von 500.000 Taka an die Familien der getöteten ArbeiterInnen zu veranlassen,
  2. sicherzustellen, dass die verletzten ArbeiterInnen (in Abstimmung mit unabhängiger medizinischer Beratung) angemessen medizinisch versorgt und entschädigt werden,
  3. effektive und langfristige Entschädigungsmaßnahmen für die Opfer einzurichten, über die auch Gewerkschaften und zivilgesellschaftliche Organisationen mitentscheiden,
  4. alle relevanten Berichte über die Arbeitsbedingungen bei Garib&Garib (inklusive aller Audit-Berichte internationaler Einkäufer) zu veröffentlichen,
  5. eine glaubwürdige Untersuchung über die Umstände und Hintergründe der Tragödie unter Einbeziehung von Arbeits- und Menschenrechtsorganisationen durchzuführen sowie deren Ergebnisse vollständig zu veröffentlichen,
  6. glaubwürdig  alle bestehenden Gesundheits-, Sicherheits- und Notfallbestimmungen umzusetzen und ausreichend Ressourcen für Arbeitsinspektionen sowie die Bearbeitung von (anonymen) Beschwerden seitens der ArbeiterInnen und Gewerkschaften zur Verfügung zu stellen; ArbeiterInnen sollten leichten Zugang zu Beschwerdeverfahren haben und über die Ergebnisse der Beschwerde informiert werden und
  7. das Recht der ArbeiterInnen anzuerkennen, sich selbständig gewerkschaftlich zu organisieren, sowie das Recht der Gewerkschaften, Zugang zu den ArbeiterInnen zu erhalten und alle notwendigen Aktivitäten durchzuführen, um ihre Mitglieder wirklich zu repräsentieren.

Zusätzlich fordern wir insbesondere die bangladeschische Regierung auf,

  1. eine glaubwürdige Untersuchung des Vorfalls und der offensichtlichen Missachtung von Gesundheits-, Sicherheits- und Notfallbestimmungen durchzuführen sowie unverzüglich Beteiligte festzunehmen und anzuklagen, deren Taten oder Fahrlässigkeit zu der Tragödie beigetragen haben,
  2. die bestehenden Gesundheits-, Sicherheits- und Notfallbestimmungen in einer unabhängigen und transparenten Untersuchung der Gesundheits- und Sicherheitsunfälle der letzten Jahre zu überprüfen.

Zusätzlich fordern wir H&M und andere Einkäufer auf,

  1. öffentlich die Forderungen an die Regierung zu unterstützen und ihre Umsetzung sicherzustellen und
  2. direkt mit den Gewerkschaften zu verhandeln, damit effektive Folgeaktionen und Entschädigungsmaßnahmen garantiert werden.

Unterstützen Sie diese Forderungen und schreiben Sie H&M, Garib&Garib, der Regierung von Bangladesch und der bangladeschischen Arbeitgeberorganisation BGMEA.

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Schreiben Sie an:

Mozahed Hossain (Stellvertretender Staatssekretär, Arbeitsministerium): info@mole.gov.bd

Abdus Salam Murshedy (Präsident der Arbeitgeberorganisation BGMEA): info@bgmea.com

Nazmul Hasan Bhuiyan (Geschäftsführer, Garib&Garib): nazbhuiyan@accesstel.net, nazgarib@garibngarib.com

Ingrid Schullstrom (H&M): ingrid.m.schullstrom@hm.com und

Frau Maritha Lorentzon (H&M): maritha.lorentzon@hm.com

 

Musterbrief

Sehr geehrter Herr Mozahed Hossain (Stellvertretender Staatssekretär, Arbeitsministerium),
sehr geehrter Herr Abdus Salam Murshedy (Präsident der Arbeitgeberorganisation BGMEA),
sehr geehrter Herr Nazmul Hasan Bhuiyan (Geschäftsführer, Garib&Garib)
sehr geehrte Frau Ingrid Schullstrom (H&M) und
sehr geehrte Frau Maritha Lorentzon (H&M),

ich bin zutiefst schockiert, vom verheerenden Feuer bei der Firma Garib&Garib Sweater Ltd erfahren zu müssen, das 21 Menschen das Leben kostete und weitere 50 schwer verletzte. Dies ist nicht der erste tödliche Unfall, sondern spiegelt vielmehr eine ganze Reihe schrecklicher Feuerunfälle in der Textilindustrie Bangladeschs in der jüngeren Vergangenheit  wieder. Ich bitte Sie daher eindringlich, unverzüglich und transparent aktiv zu werden. Dazu gehört, dass alle Opfer langfristig medizinische Hilfe und Entschädigungen erhalten sowie eine unabhängige Untersuchung durchgeführt wird, die zur strafrechtlichen Verfolgung der beschuldigten Täter führt. Schließlich bitte ich Sie dringend, alles Notwendige zu tun, um solche Unfälle in der Zukunft zu verhindern - einschließlich der Überprüfung der bestehenden Gesundheits- und Sicherheitsbestimmungen in der Textilindustrie in Bangladesch.

Ich bin überzeugt davon, dass es unerlässlich ist, die ArbeiterInnen ab sofort in die Überwachung der Gesundheits- und Sicherheitsstandards zu integrieren, wenn sie ernsthaft zukünftige Todesfälle wie bei Garib&Garib Sweater Ltd verhindern wollen. Dies kann nur passieren, wenn die Vereinigungsfreiheit unterstützt wird und Sie direkt mit Gewerkschaften zusammenarbeiten.

Mit freundlichen Grüßen

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