Firmenprofil
Arcandor AG (ehemals KarstadtQuelle AG)
Allgemeine Informationen:
Adresse: Theodor-Althoff-Straße 2, 45133 Essen
Vorstandsvorsitzender: Dr. Thomas Middelhoff
Umsatz: 13,45 Milliarden Euro (2004)
Ansprechpartnerin für Corporate Social Responsiblity:
Dr. Alexandra Hildebrandt (Leiterin Kommunikation Gesellschaftspolitik); Theodor-Althoff-Straße 2; 45133 Essen; Telefon: 0201-72796 62; Mobil: 0151-17159025; Fax: 0201-727699662; E-Mail: alexandra.hildebrandt@arcandor.com; Webseite: www.arcandor.com
Karstadt gilt als eines der ältesten Textilunternehmen und wurde bereits 1881 von Rudolph Karstadt in Wismar/Mecklenburg als »Tuch-, Manufactur- und Confectionsgeschäft« gegründet. Mit einem Textilumsatz von 4,207 Millarde Euro im Jahr 2006 ist KarstadtQuelle der größte Textileinzelhändler Deutschlands. Im Sommer 2007 wurde die KarstadtQuelle AG unbenannt in Arcandor AG, wobei die Warenhäuser des Konzerns weiterhin den Namen Karstadt tragen. Neben den neunzig Karstadt-Warenhäusern gehören 29 Karstadt-Sport-Filialen, das Hamburger Alsterhaus, das Berliner KaDeWe und Wertheim sowie 130 Fox-Märkte zur Arcandor AG. Auch der Versandhändler Quelle hat seinen Namen beibehalten. Im Bereich Katalog- und Internetversand vertreibt Arcandor neben Quelle auch die Marken Madelein, Elegance, Walz, Mode&Preis sowie Hess Natur.
Beschaffungs- und Einkaufspolitik
Der Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung liegen keine Informationen darüber vor, bei welchen Zulieferbetrieben Arcandor produzieren lässt. Aus dem jüngsten Nachhaltigkeitsbericht aus dem Jahr 2005 lässt sich jedoch entnehmen, dass die Hauptproduktionsländer Bangladesch, Bulgarien, China, Indien, Philippinen, Rumänien, Thailand, Türkei und Vietnam sind.
Im Herbst 2006 gab KarstadtQuelle sein gesamtes Beschaffungsmanagement an den Hongkonger Beschaffungskonzern Li&Fung ab. Li&Fung übernimmt den kompletten Einkauf von Musterung, über Qualitätssicherung bis hin zum Zahlungsverkehr. Damit ist Li&Fung auch für die Platzierung der Aufträge und für den Kontakt zu den Zulieferern zuständig. In einem Artikel im Handelsblatt erklärt Einkaufsvorstand Helmut Merkel, dass das Unternehmen über dieses Verfahren die Marge um zehn bis fünfzehn Prozent verbessern könne. Li&Fung verfolgt eine Strategie, immer dort zu produzieren, wo es am preisgünstigsten ist. Hierzu heißt es in dem Artikel: »Lächelnd kramt Fung eine rote Windjacke hervor, um zu beweisen, wie global sein Unternehmen wirklich arbeitet. »Das Obermaterial haben wir in Korea besorgt«, erklärt er in akzentfreiem Englisch, »der Reißverschluss stammt aus Japan, die Füllung aus China, die Gummizüge aus Hongkong, und das Futter liefern Taiwaner.« Damit er den günstigsten Preis bekommt, lässt Fung seine weltweit 70 Einkaufsbüros gegeneinander antreten. »Die Niederlassungen arbeiten wie eigenständige Unternehmen«, sagt er, »das stärkt den Wettbewerb und die Eigeninitiative.« (Handelsblatt, 27. März 2007). Zudem eröffnete Arcandor ein eigenes Design-Zentrum für Textilien in Hongkong. Dadurch soll die Zeitspanne zwischen Design und Lieferung beschleunigt werden. Während bisher der Umsetzungsprozess zwischen vier und sechs Monaten dauerte, sollen in Zukunft neue Produkte nach nur sechs bis acht Wochen an die Handelshäuser geliefert werden.
Die Suche nach dem preisgünstigsten Zulieferer und der enorme Druck bezüglich Lieferfristen gehen auf Kosten der NäherInnen. Sie müssen zu immer niedrigeren Löhnen immer mehr Überstunden leisten, um den Preisvorgaben und Lieferfristen gerecht zu werden. Bereits im Nachhaltigkeitsbericht 2005 gibt KarstadtQuelle an, dass von 1.000 untersuchten Zulieferbetrieben in zehn Ländern, 446 Fabriken als kritisch eingestuft wurden und damit Arbeitsrechtsverletzungen vorlagen. Nur 132 wurden als gut eingestuft (vgl. KarstadtQuelle Nachhaltigkeitsbericht 2005: 41).
Globale Sozialverantwortung (Corporate Social Responsibility = CSR)
Das Unternehmen rühmt sich seit Jahren mit seinem Konzept der Sozialen Unternehmensverantwortung. Trotzdem wird immer wieder über Arbeitsrechtsverletzungen bei Karstadt-Zuliefern berichtet. Bis heute bleibt der Konzern den Nachweis schuldig, wie seine Einkaufspraxis und Beschaffungsethik sozialverträglich miteinander verbunden werden können.
Arcandor ist Mitglied der Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels e.V. (AVE). In einem gemeinsamen Projekt mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) hat die AVE einen Verhaltenskodex entwickelt, der auch von Arcandor (damals KarstadtQuelle AG) unterzeichnet wurde. Der Kodex wurde auf europäischer Ebene von der Business Social Compliance Initative (BSCI), einem Zusammenschluss von europäischen Textilunternehmen übernommen. Der Kodex bezieht sich auf die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation und schließt darüber hinaus weitere Arbeitsstandards bezüglich Arbeitsstunden, Sicherheits- und Gesundheitsstandards sowie existenzsichernde Löhne mit ein. Eine unabhängige Kontrolle des Kodexes durch lokale Gewerkschaften und NGOs ist jedoch nicht vorgesehen. Die Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung kritisiert zudem das intransparente Vorgehen der BSCI. Ergebnisse von Sozialaudits werden nicht offengelegt und auch zu den Fragen Preis und Lieferfristen gibt es keine Informationen.
Weitere Informationen zu BSCI und Sozial-Audits:
• INKOTA-netzwerk (Hg.): Quick fix – Die Suche nach der schnellen Lösung. Was bringen Sozial-Audits den Näherinnen der Sweatshops? INKOTA-texte 3. Berlin 2006, 112 S.
Fälle von Arbeitsrechtsverletzungen – Eilaktionen
Spectrum/Bangladesch: In der Industriestadt Savar nordöstlich der Hauptstadt Dhaka in Bangladesch stürzte am 11. April 2005 ein neunstöckiges Fabrikgebäude ein und begrub hunderte ArbeiterInnen unter sich. In dem Gebäude befanden sich die Fabriken Spectrum Sweaters Ltd und Shahriyar Fabriks Ltd.. Neben anderen europäischen Textilunternehmen ließ hier auch KarstadtQuelle produzieren. In den folgenden Monaten schrieben tausende KonsumentInnen Protestbriefe an die involvierten Unternehmen und forderten eine Überprüfung aller Fabriken in Bangladesch auf Sicherheitsstandards sowie eine Entschädigung der Opfer und deren Familien. KarstadtQuelle stellte Ende 2005 einen eigenen Hilfsfonds in Höhe von 35.000 Euro auf. Die Forderungen der Partnerorganisationen der Kampagne für ‚Saubere Kleidung in Bangladesch sowie der Internationalen Textilgewerkschaft (ITGLWF) gehen jedoch über die Zahlung einer einmaligen Hilfeleistung hinaus. Vielmehr wird die Einrichtung eines Fonds gefordert, der die Betroffenen auf Grundlage von Kriterien wie Einkommen, Anzahl der Familienmitglieder und Grad der Verletzung unterstützt. Erst nach vielen Verhandlungen der Kampagne für ‚Saubere’ Kleidung willigte KarstadtQuelle Ende 2006 ein, sich an dem internationalen Unterstützungsfonds mit einer Summe von 100.000 Euro zu beteiligen. Der Fonds ist jedoch bis heute nicht realisiert worden.