Discounter
Der Marktanteil von Discountern am deutschen Textileinzelhandel ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Obwohl die 38.000 Mitgliedsunternehmen des klassischen Textilfachhandels daran immer noch den Löwenanteil ausmachen, haben sich ihre Umsätze von 1992 bis 2004 auf 29 Mrd. € nahezu halbiert. Insgesamt setzte der Handel mit Bekleidung und Textilien im Jahr 2005 ca. 56 Mrd. € um – 1995 beliefen sich die Umsätze noch auf umgerechnet 65 Mrd. €. Dabei sind der Versandhandel mit 14,5%, Discounter mit 13,2% und Kauf-/Warenhäuser mit 12,8% die größten Konkurrenten des Fachhandels. Wegen ihrer aggressiven Preispolitik setzen vor allem „textilfremde Anbieter“ wie Aldi, aber auch Tengelmann (Kik, Plus), Tchibo und Lidl, den Fachgeschäften zu. Dieser Trend entspricht der allgemeinen Marktanteilsentwicklung verschiedener Betriebsformen im Einzelhandel, in der die Discounter vorrücken. Mittlerweile kauft jede/r zweite KundIn in Deutschland Bekleidung auch bei Discountern (TextilWirtschaft 2005b). Discounterware wird immer häufiger mit teuren Designer-Labels kombiniert.
Der Rückgang der privaten Ausgaben für den Konsum von Textil/Bekleidung (T&B) und Schuhen von 22,4% zwischen 1995 – 2005 ist auch darin begründet, dass mit dem 1995 einsetzenden Rückgang von Quoten im Rahmen des WTO-Welttextilabkommens (s. Kapitel 3) T&B-Produkte zunehmend billiger wurden. So gingen die Preise für Bekleidungsartikel in Deutschland z.B. im Jahr 2004 um 0,8%, 2005 um 2,2% und im ersten Halbjahr 2006 um 1,4% zurück (BTE 2006). Mit dem enger werdenden T&B-Markt in Deutschland wächst die Konkurrenz unter den Mitbewerbern weiter an.
In der Rangliste „Die Größten Textileinzelhändler in Deutschland 2005“ (TextilWirtschaft 2006a) belegt die Aldi-Gruppe den 8. Platz, gefolgt von Tchibo und Lidl. Zwischen 1992 und 2002 hatten die T&B-Umsätze der Aldi-Gruppe um 222% zugenommen (Erlinger 2004a). Im Jahr 2005 betrug der Textil- und Bekleidungsumsatz der 4.108 Filialen von Aldi Süd und Aldi Nord knapp 1,1 Mrd. €, was gegenüber 2004 einen Rückgang von 0,5% (gegenüber 2003 von knapp 22 %) darstellt, während die meisten der in der Rangliste folgenden Discount-Konkurrenten Zuwächse verzeichneten.
Die jahrelange Spitzenposition von Aldi unter den Discountern mit Textilwaren ging 2005 erstmalig an KiK und Plus, die beide zur Tengelmann-Gruppe gehören. Auffällig sind die nahezu gleichauf liegenden Umsätze im Textileinzelhandel von Aldi, Tchibo und Lidl, wenn auch deren Anteile an den Gesamtumsätzen z.T. stark variieren. Mit den fallenden Textilumsätzen von Aldi seit 2003 sank auch deren Anteil an den Gesamtumsätzen von 4,6% auf 3,2% (2005). Bei Tchibo stieg diese Rate von 6,7% im Jahr 2000 auf 12% im Jahr 2005. Unter den deutschen Discountern betrug im Jahr 2004 der Textilanteil an allen Warengruppen 4,9% (EHI 2006: 304).
In den letzten Jahren ist der Anteil der Textil- und Hartwaren (d.h. Non-Food-Waren) bei Aldi, die als „Aktionswaren“ und Sonderposten verkauft werden, von ca. 20% des Gesamtumsatzes von 35 Mrd. € (2005) auf 10-12% gesunken (Freitag 2006). Gleichzeitig ist jedoch die Häufigkeit der Non-Food-Angebote bei Aldi von ehemals 3 Artikeln in 4 Wochen auf mittlerweile 25 Artikel pro Woche gestiegen (Rickens 2006). Beide Entwicklungen sind auch Ausdruck für den intensivierten Wettbewerb unter Textil-Discountern, in dem vor allem Lidl, Tengelmann und Tchibo nach vorne rückten. Wie die Mitkonkurrenten bietet Aldi zunehmend auch höherpreisige Hartwaren inkl. Textilien an, wie z.B. Kaschmir-Pullover und Outdoor-Jacken.
Gemessen am Gesamtumsatz und Textilumsatz belegt die Aldi-Gruppe auch im internationalen Vergleich von Discountern mit Textilwaren einen führenden Platz. Aldi taucht zwar in der entsprechenden Top-Liste 2005 der Fachzeitschrift Just Style.Com nicht auf, dürfte jedoch nach den oben aufgeführten Daten auf Position 8 liegen.
