[14.05.2010 | Asiatischer Grundlohn]
Seit November letzten Jahres konfrontiert die Kampagne für Saubere Kleidung Handelshäuser und Marken, die in verschiedenen Ländern Asiens ihre Waren beschaffen, mit den Forderungen der Asiatischen Grundlohn Kampagne (Asian Floor Wage/AFW): Zahlen Sie einen Lohn, der ausreicht die Familie zu ernähren und zu kleiden, Vorsorge für die Ausbildung der Kinder und die Gesundheit zu treffen sowie Miete für eine einfache Unterkunft zu zahlen! Alle Unternehmen, die im Fokus der Kritik stehen, zahlen den ArbeiterInnen in ihren Zulieferfabriken Löhne, die unter dem Richtwert des Asia Floor Wage liegen und nicht existenzsichernd sind.
Für das Jahr 2009 errechnete die AFW-Kampagne einen Wert von 475,00 $ PPP pro Monat: Mit dem Konzept der Purchasing Power Parity (PPP) der Weltbank sind nationale Lohnforderungen über Grenzen hinweg vergleichbar und somit gilt die Forderung für den gesamten asiatischen Raum, wo mehr als 80 Prozent der Textilien gefertigt werden. Mehr als 1.200 AktivistInnen haben bisher den Protestaufruf unterstützt.
Die Reaktionen der Unternehmen waren unterschiedlich:
North Face, Globetrotter, Triumph ,Tatonka haben bisher nicht auf die Proteste kritischer KonsumentInnen reagiert. Aldi hat lediglich eine allgemeine – ohne direkten Bezug auf die AFW - Stellungnahme vom Mai 2009 zugeschickt. Lidl hat zunächst gar nicht reagiert. Nach mehrfachem Nachfragen und unter Druck der eingereichten Klage gegen Lidl, initiiert und unterstützt von der CCC, wegen Verbrauchertäuschung äußerte sich das Unternehmen schließlich mit einem Hinweis, dass es die Ziele der AFW Kampagne nicht fördern könne, weil Lidls Textilumsatz zu gering sei, um Einfluss zu nehmen.
KiK bezieht sich in einer kurzen Stellungnahme auf den BSCI-Kodex (kein Mitglied der Business Social Compliance Initiative - BSCI) und die Schwierigkeiten einen existenzsichernden Lohn zu berechnen. Vaude hebt in seiner Reaktion das persönliche Vertrauen zu den Zulieferern hervor, fordert aber in seinem Kodex lediglich den Mindestlohn ein.
S.Oliver und Otto sind mit der CCC einer Meinung, dass die gesetzlichen Mindestlöhne nicht für ein Leben in Würde reichen, leiten daraus jedoch keine weiteren Schritte ab. S.Oliver betont, dass sie nur einen kleinen Prozentteil des Auftragsvolumens einzelner Textilfabriken stellen und folglich keine Einwirkung auf die Zulieferer möglich sei. Otto fordert auf Grundlage des eigenen Kodex sowie als Mitglied der BSCI ebenfalls lediglich den Mindestlohn von den Zulieferern.
| Konzern | Art der Antwort | Beschränkung auf landes- üblichen Mindestlohn |
Halten gesetzlichen Mindestlohn für unzu- reichend |
Halten die Rolle der Gewerk- schaften bei der Bestimmung von Löhnen für wichtig |
Reagieren pro-aktiv |
| Adidas: Stellung-nahme auf Website 9.10.09 | Ausführ lich |
Ja | Ja | X | |
Aldi-Süd: |
Allgemein | ILO, BSCI-Kodex - Mindestlohn | Nein | ||
| Globe-trotter Ausrüstung | Keine Antwort/ Reaktion |
– | – | ||
| Jack Wolfskin | Ausführ lich |
Existenz- sichernder Lohn in CoC; LW für Facharbeiter |
Nein | ||
| KiK | Kurz | Mindestlohn sowie Aufforderung an Lieferanten einen existenz-sichernden Lohn anzustreben | Nein | ||
| Lidl | Lange Zeit keine Antwort, s.o. | Mindestlohn | – | ||
| Otto | Ausführ lich |
Ja | Teilweise | ||
| Puma | Ausführ lich; Treffen mit AFW-Vertreter |
Ja, AFW als Referenzpunkt akzeptiert; |
unklar | X | |
| S. Oliver | Ausführ lich |
Hält gesetzlichen Mindestlohn für unzureichend, aber keine Verpflichtung der Lieferanten zur Zahlung existenz sichernder Löhne |
Ziel: Kontinuierliche Anhebung der Mindestlöhne durch Gewerk-schaften, Reg. und Unternehmen sektor-übergreifend. Unternimmt aber keine Schritte |
||
| Tatonka | Keine Antwort/ Reaktion |
– | – | ||
| Tchibo | Ausführ lich |
Ja |
Ja. Hinwirken auf Anhebung staatlich festgelegter Mindestlöhne unter Einbeziehung nationaler Tarifparteien, falls vorhanden. | X | |
| The North Face | Keine Antwort/ Reaktion |
– | – | ||
| Triumph Inter-national | Keine Antwort/ Reaktion |
– | – | ||
| Vaude | Kurz | Nein, Verhaltenskodes beinhaltet nur den Mindestlohn | Nein |
[23.11.2009 | Eilaktion]
ArbeiterInnen in der Bekleidungsindustrie bekommen trotz schwerer Arbeit einen Lohn, von dem sie nicht leben können. Deshalb startet die ‚Asia Floor Wage’ (AFW) – eine Kampagne, die für den asiatischen Kontinent einen ‚Existenzsichernden Lohn – Living Wage’ berechnet hat, an dem sich Unternehmen und Politik orientieren können.
Die Handelshäuser und Marken, die in verschiedenen Ländern Asiens ihre Waren beschaffen, sowie die Politik sind aufgefordert, die Forderungen der AFW umzusetzen: Zahlen Sie einen Lohn, der ausreicht die Familie zu ernähren und zu kleiden, Vorsorge für die Ausbildung der Kinder und die Gesundheit zu treffen sowie Miete für die einfache Unterkunft zu zahlen.
Alle Unternehmen die ihre ArbeiterInnen unter dem Richtwert der AFW entlohnen, zahlen nicht Existenz sichernde Löhne. Für das Jahr 2009 wurde der Wert von 475,00 $ PPP pro Monat errechnet. Die AFW benutzt dazu das Konzept der Purchasing Power Parity (PPP) der Weltbank.
Der von einem breiten Bündnis aus Arbeitsrechtsorganisationen berechnete und auf verschiedene Länder übertragbare „Orientierungswert“ erhält zahlreiche Unterstützung von Menschen- und Arbeitsrechtsorganisationen und Gewerkschaften weltweit. Die Kampagne ruft dazu auf: Schluss mit Hungerlöhnen! Gedenktage wie der ‚Tag gegen den Hunger’ oder für ‚Menschenwürdige Arbeit’ reichen nicht, es muss endlich gehandelt werden
Die Kampagne für Saubere Kleidung ist Unterstützerin des internationalen Bündnisses der AFW.
Auch als Einzelperson können Sie aktiv werden.
» Download Studie
» Brief an die Unternehmen
» Kampagnenseite (http://www.asiafloorwage.org/)
» Download Frauen in der asiatischen Bekleidungsindustrie