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Ara – Schuhe auf dem Prüfstand

2015 07 23 Ara Heimarbeit[23.07.2015]

Rima* näht. Sie näht mit der Hand das Oberleder auf die Schuhsohle. Sie tut dies zu Hause, in ihrem Dorf, in der Nähe der Stadt Ungaran in Nord-Java / Indonesien. Rima ist eine der über 500 Heimarbeiterinnen des deutschen Unternehmens ARA, die diese Näharbeit tun.

Alle anderen Produktionsschritte finden in einer Fabrik statt, die ARA dort betreibt. Hier werden von ca. 2000 Menschen jeden Tag 8000 Paar Schuhe hergestellt. Es ist ein Kennzeichen der globalisierten Wirtschaft, dass Unternehmen da produzieren, wo die Kosten am niedrigsten sind. Oft sind damit unmenschliche Arbeitsbedingungen verbunden, z.B. die Zahlung von Hungerlöhnen.

Menschenwürdige Arbeitsbedingungen sind seit vielen Jahren Thema und Anliegen der Ev. Kirche von Westfalen, gemäß dem Leitsatz: die Wirtschaft muss dem Menschen dienen. Nach biblischer Überzeugung ist der Mensch als Abbild Gottes geschaffen und hat ein Recht auf ein Leben in Würde. Jede Form der Ausbeutung von Menschen ist mit dieser Überzeugung unvereinbar.

So stellt die Ev. Kirche von Westfalen fest: „Durch öffentliche Kritik an Unternehmen wird öffentlicher Druck aufgebaut und ausgeübt. Die EKvW unterstützt in diesem Sinn alle Formen des bürgerschaftlichen Engagements, die sich für ökologische und soziale Mindeststandards bei der Produktion von Waren einsetzt“. Bisher wurden in erster Linie Arbeitsplätze in Fabriken thematisiert. Am Rande eines Besuchs der Kirchenleitung der EKvW in Indonesien im Jahr 2013 wurden jedoch Dokumente der Firma ARA bekannt, die das Thema Heimarbeit in den Fokus rückten. Heimarbeiterinnen sind in vieler Hinsicht schutzloser als ihre Kolleginnen in den Fabriken, sie verdienen auch erheblich weniger.

Die Landeskirche gab daraufhin eine Studie in Auftrag, die die Situation der ARA-Heimarbeiterinnen untersuchen sollte, sie wurde in Kooperation mit dem Institut Südwind und indonesischen Partnern durchgeführt. Ziel war es, in anschließenden Gesprächen mit der ARA-Firmenleitung eine Verbesserung der Situation der Heimarbeiterinnen zu erreichen.

2015 07 23 Ara Heimarbeit IIRima bekam 2014 für das Nähen von einem Paar Schuhe 2.500 indonesische Rupien, das waren damals 16 Euro-Cent. Pro Tag schaffte sie bei einer Arbeitszeit von fast 9 Stunden 10 Paar Schuhe, sie hatte also einen Tageslohn von 1,60 Euro. bei einer 6-Tage-Woche kamen im Monat 650.000 Rupien zusammen, also 41,60 Euro. Der gesetzliche Mindestlohn für diese Region lag damals bei 1.4 Mio Rupien – Rima bekam also weniger als die Hälfte.

Die Studie hat ergeben, dass die Heimarbeiterinnen ihre fertige Arbeit jeden zweiten Tag zur Fabrik bzw. zu einer Annahmestelle bringen, wo sie dann auch neues Material bekommen. Die Transportkosten müssen sie selbst tragen, verschlissene Transporttaschen müssen sie auf eigene Kosten ersetzen, was ihren kargen Lohn noch erheblich vermindert. Sozialleistungen, die ARA seinen FabrikarbeiterInnen gewährt, gelten nicht für den Bereich der Heimarbeit.

Nach Abschluss der Studie hat der Autor zusammen mit Vertreterinnen des Instituts Südwind zwei Gespräche mit der ARA – Firmenleitung geführt. Damit sollte erreicht werden, dass ARA für seine Heimarbeiterinnen dieselbe Verantwortung übernimmt wie für die Belegschaft in der Fabrik, zumal sie schon bis zu 20 Jahren für „ihre“ Firma arbeiten.

Bei weiteren Recherchen in diesem Jahr konnte festgestellt werden, dass ARA erhebliche Verbesserungen für die Heimarbeiterinnen umgesetzt hat. So wurde ihr Lohn um 30 – 40 % (je nach Schuhmodell) erhöht, auch stellt ARA nun stabile Taschen für den Transport zur Verfügung. Außerdem hat ARA seine Selbstverpflichtung (Code of Conduct) im Blick auf soziale / ökologische Standards erheblich ausgeweitet und verbessert. Sie orientieren sich nun an den Vorgaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).

Bei einem dritten Treffen mit der ARA – Geschäftsführung wurde deutlich, dass noch Fragen offen bleiben. So sieht sich das Unternehmen weiterhin nicht in der Lage, für die Heimarbeiterinnen in vollem Umfang Verantwortung zu übernehmen. Dies steht im Widerspruch zu seiner Selbstverpflichtung, wo es heißt: „So wie wir uns in Sachen Qualität nie auf Kompromisse einlassen, sind wir uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung als Unternehmen bewusst. Das gilt für alle Bereiche entlang der Wertschöpfungskette … Unser Code of Conduct setzt den Rahmen für sämtliche unternehmerische und gesellschaftliche Aktivitäten des Unternehmens“.

Ein fundamentaler Dissens besteht weiterhin in der Berechnung der benötigten Arbeitszeit der Heimarbeiterinnen für ein Paar Schuhe. Während die Studie einen mittleren Wert von 52 Min ergab, legt ARA einen Wert von 25 – 30 Min pro Paar zu Grunde. Wenn ARA der Arbeitszeit der Studie folgen würde (die dem Autor bei weiteren Besuchen von Heimarbeiterinnen im Februar mehrfach bestätigt wurde) und sich am gegenwärtigen Mindestlohn orientierte, wäre dies eine Mehrbelastung von 19,10 Euro-Cent pro Paar. Das Institut Südwind und das INKOTA – Netzwerk sind Partner eines EU-weiten Projekts „Change your Shoes“, das das Unternehmen ARA weiterhin im Blick behält.

Nach den Gesprächen von Südwind und Amt für MÖWe mit der ARA-Firmenleitung bleiben folgende Forderungen wichtig:

  • Anwendung der Selbstverpflichtung auch auf die Heimarbeiterinnen
  • Durchführung einer Arbeitszeitberechnung bei den Heimarbeiterinnen
  • Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns
  • Übernahme der Transportkosten der Heimarbeiterinnen
  • Entwicklung eines Modells für die Gesundheitsversorgung der Heimarbeiterinnen

Der Gesprächsprozess mit ARA zeigt, dass Verbesserungen möglich sind, wenn Mißstände offen auf den Tisch kommen und gleichzeitig eine konstruktive Atmosphäre herrscht. Immer mehr Menschen achten darauf, unter welchen Bedingungen die Produkte hergestellt werden, die sie kaufen. Auch aus diesem Grund sollten Unternehmen ihre soziale Verantwortung ernst nehmen.

*Name geändert

Text von Dietrich Weinbrenner, Pfarrer im Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung MÖWe) und Ansprechpartner für den Bereich ausbeuterische Arbeit. Er hat in Indonesien zu ARA recherchiert.

 2015 07 23 AraHeimarbeit III

 

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