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Maid in India

[26. 04.2012]

2012-04-26 sumangali mit-autorDie holländischen NGOs The Centre 10people in the news sumangali for Research on Multinational Corporations (SOMO) und The India Committee of the Netherlands (ICN) haben eine Folgestudie unter dem Titel „Maid in India“ veröffentlicht, die die Arbeitssituation der Textilangestellten in den Indien in den Blick nimmt.

Die vorangegangene Studie „Captured by Cotton“ aus dem Jahre 2011 verdeutlichte die katastrophale Arbeitsrechts- und Lebenssituation der TextilarbeiterInnen in der Region Tamil Nadu (Distrikt im Süden Indiens). Auf der Grundlage dieser Ergebnisse kündigten einige Unternehmen, die in den Fabriken dort produzieren oder sich von dort mit Rohmaterial beliefern lassen, an, dass sie Schritte zu Verbesserungen einleiten wollen.

 

In der Tat hat es Verbesserungen gegeben. Dennoch bleiben die gravierendsten Mängel und Arbeitsrechtsverletzungen trauriger Bestandteil des Arbeitslebens vieler TextilarbeiterInnen. Besonders betroffen sind junge Frauen, die ihre Herkunft in der sozialen Kaste der Dalit haben. Mitglieder dieser Kaste gelten als „unberührbar“ und sehen sich vielfältigen Diskriminierungen und Ausgrenzungen ausgesetzt.

Rekrutiert werden fast ausnahmslos junge, unverheiratete Frauen und Mädchen im Alter von 14 – 25 aus der Region Tamil Nadu. Unter Versprechungen von einem gut bezahltem Job, drei Mahlzeiten pro Tag, einer guten Unterkunft und der Möglichkeit sich zu bilden und weiterzuqualifizieren, werden ArbeiterInnen in die Fabriken gelockt. Niedergeschrieben werden diese Versprechungen nicht, was dazu führt, dass vieles nicht eingehalten wird bzw. eingefordert werden kann.

Sumangali ist im Prinzip positiv besetzt und bedeutet "glücklich verheiratete Frau". Unterhändler missbrauchen den Begriff, um  junge Mädchen für die Textilfabriken zu rekrutieren. Sie versprechen ihren Eltern, dass nach 3-4 Jahren Arbeit die jungen Frauen das gesamte Gehalt ausgezahlt erhalten, womit diese ihre Mitgift für eine Heirat bezahlen können. Dabei wird aber nicht kontrolliert, ob der dann ausgezahlte Lohn von mehreren Jahren korrekt berechnet ist. Beendet eine Arbeiterin ihr Arbeitsverhältnis vorzeitig, weil sie den Druck nicht mehr aushält oder verletzt ist, erhält sie oft überhaupt keinen Lohn und hat mitunter Jahre umsonst gearbeitet.

Hier wird ein großes Problem deutlich: Viele der Arbeitenden in der Textilindustrie sind nicht in Besitz von Arbeitsverträgen oder ähnlichen Papieren, mit denen sie ihre Ansprüche geltend machen könnten.

Untergebracht wird ein Großteil der Arbeitenden in fabrikeigenen Unterkünften. Die gewollte räumliche Nähe zu den Fabriken ermöglicht den Betreibern direkten Zugriff auf die Arbeitenden, gerade die dort Wohnenden werden zum Ableisten von Überstunden gezwungen. Teilweise werden von den Arbeitenden drei Schichten am Stück gefordert (24 Std.), die damit verbundenen Übermüdungen und nicht vorhandene sichere Arbeitsplätze führen nicht selten zu schweren Unfällen. Die Unterkünfte sind meist überwacht und das Verlassen der Anlage wird entweder verboten oder nur unter Auflagen erlaubt.

Studie: Maid in IndiaAufgrund fehlender Gewerkschaften in den Fabriken, gegen die entschieden von Seiten der Unternehmen opponiert wird, ist kein Mindestlohn für die Textilbranche vereinbart, was besonders ausbeuterische Arbeitsverhältnisse und niedrige Löhne zur Folge hat. Die Situation der Arbeitenden stellt sich immer noch dramatisch dar. Frauen werden in den Fabriken von männlichen Vorgesetzten, meist aus einer höheren Kaste, psychisch und physisch angegangen und erniedrigt. Ebenso kommt es zu sexuellen Übergriffen. Die gesamte Lebens- und Arbeitssituation führt zu höchstem psychischen Druck und hinterlässt schwerste psychische Schäden. Die erschreckende Zahl von über 100 toten Arbeiterinnen, die sich aufgrund ihrer Gesamtsituation in den letzten zwei Jahren das Leben nahmen, verdeutlicht die unmenschlichen Verhältnisse in außerordentlichem Maße.

Die Studie bezieht sich auf vier der größten Textilunternehmen in der Region Tamil Nadu, die europäische und amerikanische Großunternehmen und Händler beliefern. Zum Schluss stellen SOMO und ICN Verbesserungsmöglichkeiten und Ansatzpunkte vor und diskutieren u.a. die Rolle von kritischen KonsumentInnen, ohne dabei die Unternehmen aus Europa und Nordamerika aus der Pflicht zu nehmen. Anhand von Befragungen und Exportdaten werden über 70 Unternehmen aufgelistet die in der Region produzieren lassen.

» Studie "Maid in India" (english)
» Pressemitteilung

» TV-Beitrag von Monitor/ARD "Verdammt hoher Preis" zum Thema

 

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