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Neues Update über Zwangsarbeit in der südindischen Textilindustrie

(Foto: Alessandro Brasile)[23.07.2012]

Auf die zwei bereits veröffentlichten Studien von Somo (Centre for Research on Multinational Corporations) und ICN (India Committee of the Netherlands) folgt nun ein Update. Bereits in "Captured by Cotton" (Mai 2011) und "Maid in India" (April 2012) wurde die Ausbeutung von jungen Frauen und Mädchen aus der Kaste der Dalit, den sogenannten "Unberührbaren" und die unterste Stufe des indischen Kastensystems, in den Blick genommen. „Sumangali“ heißt eigentlich „die glückliche Braut“, aber angesichts der ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse, die Zwangsarbeit gleichkommen, könnte es ironischer kaum sein. Von lokalen NGOs in Tamil Nadu wird nun von einer leichten Verbesserung der Arbeits- und Beschäftigungsverhältnisse berichtet.

Über die Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Sumangali-Schema und den Arbeitsbedingungen der TextilarbeiterInnen in der Region Tamil Nadu (Distrikt im Süden Indiens) gibt es teilweise positive Meldungen: So erhielten in einigen Fällen die Mädchen zum Beispiel bereits nach einem Jahr (vorher nach frühestens drei Jahren) die Lohnauszahlung, um ihre Mitgift bestreiten zu können. Auch vom Arbeitsminister Tamil Nadus wurden schärfere Maßnahmen gegen das Sumangali-Schema und der Einsatz eines Mindestlohns versprochen.

(Foto: Alessandro Brasile)Auf der anderen Seite gibt es aber auch immer wieder neue Berichte darüber, dass vor allem Kinder aus verarmten Regionen Indiens unter falschen Versprechungen in die Fabriken gelockt werden. Aber statt gerechten Löhnen, Mahlzeiten und einer guten Unterkunft müssen die Kinder Tag und Nacht arbeiten und laut den ortsansässigen NGOs werden sie für ihre Arbeit teilweise überhaupt nicht bezahlt.

Dabei wird Kinderarbeit (im indischen Recht mit der Beschäftigung von Kindern unter 14 Jahren definiert) von den meisten Fabriken geleugnet, jedoch erwiesenermaßen weiterhin praktiziert. Ein weiteres Problem ist, dass das indische Recht die Beschäftigung von 14-18-jährigen unter gefährlichen Bedingungen nicht wie die ILO in die Definition von Kinderarbeit einschließt. Da sich westliche Firmen häufig nur an das in Indien geltende Recht halten, fallen derartige Arbeitsrechtsverletzungen unter den Tisch.

Auch auf politischer Ebene gibt es Reaktionen. So wurde das Thema in den Parlamenten von Dänemark, Spanien und der EU von Abgeordneten aufgeworfen. Eine Mehrheit von niederländischen Parlamentsabgeordneten stellte einen Antrag an die Regierung, verbindliche Vereinbarungen mit der Textil- und Bekleidungsindustrie zu mehr Transparenz in der Lieferkette und Bemühungen gegen Kinderarbeit einzufordern. Das US-amerikanische Außenministerium forderte Indien zudem auf, Verfolgungen und Verurteilungen von Kinderarbeit zu erhöhen und Bewusstsein der Öffentlichkeit zu erhöhen.

Die Ethical Trading Initiative (ETI), die aus 20 Unternehmen, NGOs und Gewerkschaften besteht, hat Richtlinien gegen das Sumangali-Schema und für bessere Arbeitsbedingungen in Tamil Nadu angekündigt. Bisher müssen sich die Mitglieder der ETI diesen Richtlinien jedoch noch nicht verpflichten.

Auch die Fair Labor Association (FLA), die Business Social Compliance Initiative (BSCI) und die Social Accountability International (SAI) kritisierten das Sumangali-Schema sowie seine Auswirkungen und setzen sich dagegen ein. Alle vier Initiativen haben bisher jedoch über keine konkreten Konsequenzen ihrer Bestrebungen berichtet.

Die Fair Wear Foundation (FWF) startete jetzt zusammen mit den indischen NGOs SAVE und CIVIDEP ein Projekt gegen Belästigung in den Fabriken.

Auch andere Organisationen beschäftigten sich mit der Thematik und konstatieren teilweise Sklaverei-ähnliche Bedingungen (Slavery International) und fordern Unternehmen zu einer Veränderung ihrer Einkaufspraktiken und mehr Transparenz auf (IndustriALL).

Obwohl der Druck auf Unternehmen und ihre Zulieferer bereits zu einigen Verbesserungen führte, finden weiterhin zahlreiche Arbeitsrechtsverletzungen statt. Auch hat die Mehrheit der Unternehmen bisher noch keine Maßnahmen ergriffen.

Zum Update der Studie (englisch)

Monitor-Beitrag (ARD, Sendung vom 21. Juni 2012): Verdammt hoher Preis. Billigmode und die Selbstmordrate bei indischen Arbeiterinnen

 

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Gisela Burckhardt
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Sabine Ferenschild
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