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Volkstribunal: TextilarbeiterInnen systematisch in Armut gedrängt

2012-02-09-Tribunal[09.02.2012]

Die Jury des Volkstribunals zu Arbeitsbedingungen in der Textilbranche verkündete in Phnom Penh ihre Anhörungsergebnisse und befand, dass kambodschanische TextilarbeiterInnen systematisch in die Armut gedrängt werden. Die Jury mit Mitgliedern aus drei Kontinenten fordert die Akteure der internationalen Textilindustrie dazu auf, sofort Maßnahmen zu ergreifen, um die Löhne in den Kleiderfabriken auf ein existenzsicherndes Niveau anzuheben. Darüber hinaus empfahlen sie, dass Markenfirmen nicht nur gute Absichten verkünden sollten, sondern bei ihren Arbeitsbedingungen und in ihrer Preis- und Einkaufspolitik systematisch die Menschenrechte anerkennen und ihnen Vorrang einräumen müssten.

Die Jury hat während einer zweitägigen Anhörung vom 5.-6. Februar Fakten gesammelt: Über 200 Beschäftigte aus den Kleiderfabriken nahmen an der Anhörung teil und machten mit ihren Schilderungen deutlich, wie dringend ein Lohnzuwachs in der Textilindustrie benötigt wird. Sie berichteten von Mangelernährung, Schuldenfalle, befristete Verträgen zur Umgehung von Sozialleistungen, Massenohnmachtsanfälle durch Erschöpfung und die Entlassungen von rund 1000 GewerkschaftsführerInnen nach einem branchenweiten Streik im September 2010.

Einer der anwesenden Experten wies darauf hin, dass die kambodschanischen TextilarbeiterInnen in den letzten 12 Jahren einen Reallohnverlust von über 14% hinnehmen mussten. Die Jury stellte fest: "Nur die Zahlung von existenzsichernden Löhnen und die Herstellung fairer Arbeitsbedingungen bieten eine Grundlage für ein menschenwürdiges Leben. Wir sind deshalb der Meinung, dass es ein Recht auf einen Existenzlohn und verbesserte Arbeitsbedingungen in den Fabriken in Kambodscha gibt". Zur Rolle der großen Markenunternehmen sagte die Jury: "Die großen Käufer oder "Marken' verfügen über die Macht und nutzen die wirtschaftlichen Vorteile aus. Es braucht daher einen Mechanismus, um die Markenfirmen zur Rechenschaft zu ziehen und sicherzustellen, dass sie einen Existenzlohn bezahlen und faire Arbeitsbedingungen bieten."

Die multinationalen Markenfirmen Adidas und Puma sagten im Volkstribunal als Abnehmer riesiger Warenmengen aus Kambodscha aus. Sie sind Teil einer Initiative mehrerer Markenhersteller, die nun mit Hilfe von Recherchen und Umfragen untersuchen wollen, wie ein "gerechter Lohn" definiert werden könnte. Dabei beziehen sie einen "existenzsichernden Lohn" als eine mögliche Option ein.

Die OrganisatorInnen des Bündnisses für einen asiatischen Existenzlohn (AFW) drückten allerdings ihre Besorgnis aus, dass es bisher an konkreten und verbindlichen Aktionen von Markenfirmen für die Erhöhung der Löhne in den Fabriken fehle. So weigerten sich zum Beispiel die Firmen Gap und H&M - die größten Käufer von Bekleidung innerhalb Kambodschas - am Volkstribunal teilzunehmen, obwohl die Zeugenaussagen der TextilarbeiterInnen insbesondere Arbeits- und Menschenrechtsverstöße in den Zulieferbetrieben der beiden Markenfirmen ins Zentrum stellten.

Lars Stubbe, Eilaktionskoordinator der Kampagne für Saubere Kleidung, resümiert: "Der gegenwärtige gesetzliche Mindestlohn von 61 US-$ ist nicht im Geringsten  ausreichend, um die Bedürfnisse der TextilarbeiterInnen und ihrer Familien zu befriedigen. Die Forderung der AFW nach einem existenzsichernden Lohn in Höhe von 281 US-$ wird deshalb von der Kampagne für Saubere Kleidung unterstützt. Firmen wie Gap und H&M müssen endlich öffentlich Rechenschaft darüber ablegen, wieso sie jährlich Riesengewinne machen und dennoch den verarmten Beschäftigten ihrer Zulieferer keinen Existenzlohn bezahlen. Es kann nicht sein, dass TextilarbeiterInnen 12 Stunden pro Tag schuften und dennoch vor Hunger kollabieren".

Weitere Informationen:

» ausführliche Dokumentation des Tribunals auf der Seite des AFW Kambodscha (englisch)

» abschließende Pressemitteilung der AFW Allianz zum Tribunal (englisch)

» Weitere Informationen zum Asiatischen Grundlohn

» Weitere Informationen zur Kampagne für einen kambodschanischen Grundlohn

 

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