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Zulieferer von Hugo Boss in Indien zahlen Hungerlöhne

2016 06 09 Hugo Boss HV[20.05.2016]

Dies hat FEMNETs indische Partnerorganisation Cividep in Gesprächen mit Näherinnen zweier Fabriken in Bangalore herausgefunden. „Das Produktionssoll liegt bei 70 bis 100 T-Shirt-Kragen pro Stunde, klagen die Näherinnen, wobei aber nur 40 bis 60 Stück machbar sind“, zitiert Anibel Ferus-Comelo von Cividep eine Näherin auf der HV von Hugo Boss am 19. Mai 2016 in Stuttgart.

 

Trotz Überstunden reicht der Lohn der Arbeiterinnen in Indien nicht, ihre monatlichen Ausgaben zu decken, geschweige denn, Geld für die Zukunft zu sparen. Die Beschäftigten verdienen monatlich 6000 bis 7800 Rupien brutto (78 bis 102 EUR). Für die Miete der Wohnung müssen sie allein schon die Hälfte bis zwei Drittel des Lohns ausgeben. Anibel Ferus-Comelo von Cividep berichtet: „Wegen ihres geringen Lohns sind die Arbeiter_innen gezwungen, Kredite aufzunehmen, also sich zu verschulden, um z.B. ihren Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen oder Medikamente zu bezahlen.“ Gisela Burckhardt, Vorstandsvorsitzende von FEMNET, klagt an: „Sehen so faire Löhne aus? Für seine deutschen Mitarbeiter wirbt HUGO BOSS mit „attraktiven Gehältern“. Für seine Lieferanten in Indien ist dies nicht der Fall.“

Sie zählte weiterhin auf: Überstunden werden nicht – wie gesetzlich vorgeschrieben – doppelt vergütet, sexuelle Belästigungen durch Vorgesetzte sind üblich, einen Betriebsrat gibt es in keiner der beiden Fabriken. Burckhardt stellte Hugo Boss sieben Fragen, u.a. warum die Lieferanten von Hugo Boss in Indien weder im Geschäftsbericht 2015 noch im Nachhaltigkeitsbericht 2014 genannt werden. Antwort von HUGO BOSS: Es gebe kein direktes Vertragsverhältnis mit ihnen. Sprich, es sind Unterlieferanten, was bedeutet: Hugo Boss kennt offenbar seine Lieferkette nicht.

Auf die Frage, wie Hugo Boss einen fairen Lohn definiere, kam die stereotype Antwort: Wir zahlen den gesetzlich festgelegten Mindestlohn, der zwar auch als nicht ausreichend bezeichnet wird, aber mehr könne man als einzelnes Unternehmen nicht tun, man bemühe sich im Rahmen der Fair Labour Association. Dies empörte Burckhardt, die darauf hinwies, dass diese Ausrede schon letztes Jahr auf der HV vorgebracht worden sei – seitdem sei nichts passiert. Die Näherinnen könnten nicht länger auf höhere Löhne warten.

Insgesamt stellten vier Redner_innen Hugo Boss unangenehme Fragen zu seiner sozialen Verantwortung. Neben Gisela Burckhardt und Anibel Ferus-Comelo nahm auch ein Aktionär kritisch zu den schlechten Arbeitsbedingungen bei Zulieferern von Hugo Boss Stellung. Adam Lee von der internationalen Gewerkschaft IndustriAll sprach im Namen von mehreren Hundert entlassenen Arbeiter_innen der Hugo-Boss-Fabrik in Izmir in der Türkei. Nachdem die dortige Gewerkschaft die Arbeiter_innen organisiert hatte, wurden viele von ihnen zunächst schikaniert und dann entlassen. Die Antwort von Hugo Boss war inhaltlich nicht fundiert: Man biete Gespräche an.

Beitrag SWR-Landesschau zur Hauptversammlung von Hugo Boss (ab Minute 5:00)

 

 

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