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Europas Modeunternehmen in Hungerlohn-Praktiken verwickelt

[20.12.2012 | Living Wage]

Die bekannten Marken und Modehäuser sind seit Längerem im Fokus von MenschenrechtsaktivistInnen in ganz Europa. Die AktivistInnen der Clean Clothes Campaign (Kampagne für Saubere Kleidung, CCC) demonstrierten im September gegen die Ausbeutung, indem sie Ohnmachtsanfälle in den Eingängen von Filialen in London, Warschau, Kopenhagen und Paris, in Amsterdam und Brüssel vortäuschen. Damit wiesen sie auf die zahllosen Schwächeanfälle von ArbeiterInnen in kambodschanischen Fabriken hin, die unterernährt und zum Hungerlohn für Gap, H&M, Zara und Levis die neueste Mode nähen.

 

Diese Aktionen sind der Start einer europaweiten Kampagne für einen Lohn zum Leben. Damit wird die strategische Vorgehensweise der Markenunternehmen in Kambodscha missbilligt.

 

Kambodscha: Abhängigkeit von europäischen Modeunternehmen

Die Bekleidungsindustrie gehört in Kambodscha zu den Schlüsselindustrien für Exporteinnahmen und beschäftigt durchschnittlich 350.000 bis 400.000 Personen. Die große Abhängigkeit von diesem Exportstandbein führt dazu, dass Kambodscha aus Wettbewerbsgründen ein Interesse hat, die nationalen Mindestlöhne tief und somit investorenfreundlich zu halten. Mit den steigenden Lohnkosten in China wurde Kambodscha umso mehr zu einem begehrten Produktionsland, um billig Massenware zu produzieren.

H&M, Gap, Levis und Zara gehören zu den Hauptkunden in Kambodscha und haben es deshalb in der Hand, dass sich die Situation für die kambodschanischen NäherInnen verbessert.

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Arbeiterinnen verlassen eine Fabrik in der Nähe von der Hauptstadt Phnom Penh (Foto: Martin de Wals)
 

In Kambodscha fand 2012 ein von ArbeiterInnen und der Asia Floor Wage (AFW) organisiertes Tribunal statt. „Das Volkstribunal machte die tiefe Kluft zwischen den Versprechen von Verantwortung seitens der Unternehmen und der realen Situationen der asiatischen TextilarbeiterInnen sichtbar”, sagt Anannya Bhattacharjee (Asia Floor Wage).

Armut trotz Arbeit

Die Massenohnmachtsanfälle werden eindeutig mit der gravierenden Mangelernährung in Zusammenhang gebracht. Einer Textilarbeiterin steht pro Tag durchschnittlich 1 US-Dollar für Nahrungsmittel zur Verfügung. Damit kann sie sich etwas Reis und eine Suppe kaufen. Das sind ca. 1.500 Kalorien pro Tag – viel zu wenig, um den harten Fabrikalltag unbeschadet zu überstehen. Dazu müssen die ArbeiterInnen, 90 Prozent sind junge Frauen zwischen 18 und 35 Jahren, meist für Kinder und Familie aufkommen – und das bei steigenden Kosten. Der ihnen gezahlte Mindestlohn reicht dafür bei Weitem nicht aus.

Die Forderung der AFW nach einem existenzsichernden Lohn in Höhe von 274 US-Dollar wird deshalb von der Kampagne für Saubere Kleidung unterstützt. „Firmen wie Gap und H&M müssen endlich öffentlich Rechenschaft darüber ablegen, wieso sie jährlich Riesengewinne machen und dennoch den verarmten Beschäftigten ihrer Zulieferer keinen Existenzlohn bezahlen. Es kann nicht sein, dass TextilarbeiterInnen 12 Stunden pro Tag schuften und dennoch vor Hunger kollabieren”, sagt Berndt Hinzmann, Referent der Kampagne für Saubere Kleidung.

goldfame-workers-buy-food-closeupArbeiterInnen bemängeln: Das Essen, dass sie sich leisten können, sei nicht besonders nahrhaft.      
(Foto: Martin de Wals)      

Hungerlöhne sind Menschenrechtsverletzungen

Im Fall Kambodscha liegen klare Menschenrechtsverletzungen vor und die Tatsachen sprechen für sich. Athit Kong, Vize-Präsident der kambodschanischen Gewerkschaft C.CADWU sagt: „ArbeiterInnen können von diesem Lohn nicht leben.“ Ein Lohn zum Leben wäre das Vierfache der derzeit staatlich festgesetzten Summe!

Der Zusammenschluss der Vertreter für Arbeitsrechte in Kambodscha hat 2012 den Kalorienverbrauch der FabrikarbeiterInnen untersucht. Das Ergebnis: durchschnittlich fehlen täglich 500 Kalorien. Viele ArbeiterInnen bemängelten: Das Essen, dass sie sich leisten können, sei nicht besonders nahrhaft.

„Die Clean Clothes Campaign fordert seit Jahrzehnten für die ArbeiterInnen in den Zulieferbetrieben Löhne zu realisieren, die zum Leben ausreichen. Die Gegenargumente der Unternehmen blieben beständig die gleichen und sind keinesfalls innovativ. Es sind fadenscheinige Ausreden,“ so Jeroen Merk von der Internationalen Clean Clothes Campaign. „Wenn kambodschanische ArbeiterInnen massenhaft vor Erschöpfung zusammenbrechen, weil die Unternehmen sich weigern etwas zu tun, dann haben wir keine andere Wahl als eine Kampagne zu starten.“

 

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Zuständige für den Bereich Living Wage sind Bettina Musiolek (ENS), Christiane Schnura (CCC-Koordinatorin), Kirsten Clodius (CIR), Berndt Hinzmann (INKOTA-netzwerk).