Seite drucken

Die internationale CCC

Die »Kampagne für Saubere Kleidung« (Clean Clothes Campaign = CCC) entstand 1990 in den Niederlanden. Sie ist heute in 12 europäischen Ländern aktiv. Ein internationales Sekretariat in Amsterdam koordiniert die Tätigkeit der selbstständigen nationalen Bündnisse.

Die CCC besteht aus einem Netzwerk von mehr als 300 Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen – Frauen- und Verbraucherorganisationen, Solidaritäts- und Kirchengruppen, Weltläden und Forschungsinstituten, die mit Partnerorganisationen in Entwicklungs- und Transformationsländern eng zusammenarbeiten.

Um die Arbeitsbedingungen der überwiegend weiblichen Beschäftigten der Bekleidungs- und Sportswearindustrie weltweit zu verbessern, informiert die CCC die VerbraucherInnen, übt Einfluss auf Unternehmen aus, unterstützt Arbeitnehmerorganisationen in Konfliktfällen und führt Kampagnen an die Adresse der Politik durch.

Bei Streiks, Personalabbau und Entschädigungsansprüchen von ArbeitnehmerInnen in der Bekleidungs- und Sportschuhindustrie greift die CCC zum Beispiel mit Pressemeldungen, Protestbriefen und Straßenkampagnen ein. Zur Zeit bearbeitet das Eilaktions-Netzwerk der CCC pro Jahr durchschnittlich 30 Fälle von Verstößen gegen die internationalen Arbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation  oder die Verhaltenskodizes globaler Einkäufer.

Einige Mitgliedsorganisationen der CCC engagieren sich mit Bildungsprogrammen für ArbeitnehmerInnen in Entwicklungsländern und in Osteuropa. So führen zum Beispiel das SÜDWIND Institut für Ökonomie und Ökumene (ein Mitglied der deutschen CCC) und die Friedrich-Ebert-Stiftung in Indonesien seit dem Jahr 2000 Schulungskurse über die Globalisierung und Verhaltenskodizes für Mitglieder von Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen durch.

Zur Information und Mobilisierung der VerbraucherInnen setzt die CCC öffentliche Kampagnen ein, wie zum Beispiel die im Jahr 2004 durchgeführte Kampagne »Play Fair at the Olympics« (s.o. unter »Kampagnen / Themen«).

In den letzten Jahren konnte die CCC Städte und Gemeinden in vielen europäischen Ländern für eine Ethik des öffentlichen Beschaffungswesens mobilisieren. In Frankreich zum Beispiel verabschiedeten 250 Gemeinden eine Resolution, nach der bei öffentlichen Ausschreibungen für Bekleidungsartikel auch Arbeitsnormen berücksichtigt werden sollen. Die Kampagne Clean Clothes Communities hat sich mittlerweile auf die Niederlande, Belgien, Spanien, Deutschland, Schweden und Großbritannien ausgeweitet.


Des weiteren versucht die CCC, auf das Europäische Parlament und die EU-Kommission im Hinblick auf Verhaltenskodizes und die soziale Verantwortung der Unternehmen Einfluss zu nehmen. Verschiedene CCCs bzw. Mitgliedsorganisationen waren auch im Zusammenhang mit den OECD-Leitsätzen für multinationale Unternehmen tätig und reichten bei den nationalen Kontaktstellen in verschiedenen OECD-Ländern Beschwerden ein.

Nach eingehenden Beratungen mit internationalen Gewerkschafts- und Partnerorganisationen aus der ganzen Welt verabschiedete die CCC im Februar 1998 ihren Code of Labour Practices for the Apparel Industry including Sportswear. Zu den mehr als 250 Unterzeichnern des Regelwerks zählen unter anderem die ITBLAV, der Europäische Gewerkschaftsbund Textil, Bekleidung und Leder (ETU/TCL), das »Asia Monitor Resource Center« (AMRC) sowie die »Transnationals Information Exchange Asia« (TIE Asia). Das CCC-Regelwerk folgt dem Vorbild des entsprechenden IBFG-Modellkodexes von 1997.

Verhandlungen zwischen Einzelhändlern, Markenherstellern und der CCC in den Jahren 1998 bis 2005 führten zur Durchführung verschiedener Pilotprojekte in den Niederlanden, Frankreich, Schweden, der Schweiz, Großbritannien und Deutschland. Im Rahmen dieser Pilotprojekte wurde das CCC-Regelwerk von den beteiligten Parteien entweder kurz- oder längerfristig als Arbeitsunterlage übernommen. Da die CCC keine Kodex-Überprüfungseinrichtung darstellt, verwendet sie derartige Pilotprojekte als Katalysatoren für die Institutionalisierung von Kontrollsystemen als Vorbedingung für einen dauerhaften Verbesserungsprozess.

In den Niederlanden und Großbritannien gehört die CCC jeweils der Fair Wear Foundation (FWF) bzw. der Ethical Trading Initiative an. 2004 beteiligte sich die Schweizer CCC nach dem erfolgreichen Abschluss eines Pilotprojekts mit drei Einzelhandelsunternehmen an der Einrichtung einer Verifizierungsstruktur namens ISCOM (Independent Social Compliance Monitoring). In Deutschland wurde 2005 ein Pilotprojekt der CCC mit der Firma Hess Natur abgeschlossen. Als Folge dieses Projekts entschied sich Hess Natur dafür, als erstes nicht holländisches Mitglied der »FWF in den Niederlanden beizutreten. Allgemein gilt dies als wichtiger Schritt zum Ausbau der FWF als europäisches Kontrollorgan.